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Bei der photodynamischen Therapie handelt es sich um einen komplett
neuartigen Therapieansatz bei welchem die photobiologischen Eigenschaften
von Porphyrinen ausgenützt werden. Porphyrine entstehen im
Raume des Hämoglobin-Stoffwechsels und können wenn sie
in oberflächlichen Zellen angereichert werden in Kombination
mit Licht zu fokalen Zelluntergängen (Apoptose) führen.
Durch die lokale Wirkung dieses Moleküls welches über
die Freisetzung von Sauerstoffradikalen funktioniert bleibt eine
weitergehende Schädigung von gesunden Zellen und somit eine
Narbenbildung aus.
Die praktische Durchführung läuft wie folgt ab:
Bei klinischer Unsicherheit erfolgt eine Probebiopsie mittels
Shave-Laser-Technik, eine Woche später dann die erste photodynamische
Therapiesitzung wobei 3-5 Stunden in Abhängigkeit der verwendeten
Substanz die Crème zuerst ca. 0,5-1mm dick aufgetragen wird.
Anschliessend wird ein komplett lichtundurchlässiger Verband mit Alufolie
appliziert. Die Patienten dürfen während diesen 3-5 Stunden
die Praxis verlassen oder aber auch bei uns warten. Nach Ablauf
dieser Wartefrist kommen die Patienten erneut in die Sprechstunde
und werden dann mittels der Dioden-Rotlichtlampe belichtet. Bei
dieser Lampe handelt es sich nicht um ein Strahlungsgerät
im Sinne eines Lasergerätes oder einer Röntgenmaschine
sondern das Gerät produziert relativ schmalbandiges Rotlicht
im Bereiche von ca. 620nm. Anschliessend oberflächliche Applikation
von Ialugen Crème, diese Crème sollte anfänglich
3-4 Mal pro Tag richtig aufgetragen werden und evt. mit kühlenden
Verbänden zusätzlich appliziert werden. 1/2 Stunde vor
der Durchführung der Bestrahlung nimmt der Patient ein Schmerzmittel
(Paracetamol 1g) zu sich, weil die
PDT recht starke Schmerzen verursachen kann. Bei der Behandlung
mit 5-ALA-Nanokolloidgel wenden wir in unserer Praxis unmittelbar
vor der Beleuchtung für etwa 15 - 20 Minuten einen Xylocain Gel
an welchen wir während der ganzen Beleuchtung auf der Haut
belassen. So wird dem Schmerz die "Spitze" genommen,
ganz verschwindet er allerdings nicht. Die Wiederholung des analogen
Vorgehens 7 bis 10 Tage später ist möglich. In aller Regel wird aber aufgrund von neuesten Studientresultaten auf die zweite Sitzung verzichtet, da diese gezeigt haben, dass der Grenznutzen einer zweiten Sitzung im Vergleich zur ersten Sitzung nurmehr sehr klein ist.
Als weitere
Indikationen für die photodynamische Therapie können
im Weiteren flache Warzen sowie die Altershaut gelten. Diese Indikationen
sind aber noch nicht zugelassen und bedürfen der intensiven
Diskussion mit dem behandelnden Arzt. Die Behandlung von Altershaut
ist nicht kassenpflichtig, ein entsprechender Kostenvoranschlag
erhalten sie von ihrem behandelnden Arzt.
PDT Inzidenzen und Indikationen
Tabelle 1 Geschätzte Inzidenzen des Basalioms, des Melanoms
und des Spinalioms
|
Inzidenz |
Life time risk* |
malignes Melanom |
15-18/100000/Jahr |
1 : 60 |
Basaliom |
ca 100/100000/Jahr |
1 : 8 |
Spinaliom |
20-30/100000/Jahr |
1 : 25 |
Aktin. Keratose |
ca 250/100000/Jahr |
1 : 3-5 |
*für im Jahr 2000 Geborene |
|
|
Tabelle 2 Indikationen der Photodynamische Therapie (PDT) bei
Basaliomen
| Sklerodermiformes Basaliom |
keine Indikation |
Pigmentiertes Basaliom |
keine Indikation (Melanin verhindert
die Penetration des Lichtes) |
Nodulares Basaliom |
in ausgesuchten Fallen (z B nach
Vorbehandlung mit Kürette) |
Oberflächliches Basaliom |
gute Indikation |
Bitte beachten Sie nach der Behandlung folgende Punkte:
Mögliche Nebenwirkungen
Die folgenden Symptome können, müssen aber nicht auftreten.
Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Reaktionen zu stark sind,
melden Sie sich bitte bei Ihrem Dermatologen.
Ein gewisses Kribbeln, Brennen oder auch Schmerzen können
bis zu 24 Stunden nach der Behandlung anhalten. Die Schmerzen können
möglicherweise etwas stärker werden. Der Abstossungsprozess
der krankhaft veränderten Zellen und der anschliessende Heilungsprozess
können zu Rötungen führen. In der Regel verschwinden
diese nach 1-2 Wochen. Schuppung und Krustenbildung können
ebenfalls während ca. 2-5 Tagen auftreten. In seltenen Fällen
kann es zu kleinen, mit gelblicher Flüssigkeit gefüllten
Bläschen und Pusteln kommen. Nach der Behandlung können
Schwellungen auftreten und einige Tage andauern. Diese können
für einige Stunden recht stark sein. Wenn die Behandlung an
der Stirn stattgefunden hat, liegen die Schwellungen häufig
rings um die Augen.
Wie können diese Symptome gelindert werden?
Linderung schafft das Auflegen einer Kühlpackung oder das
Aufsprühen von hautberuhigendem Thermalwasser. Schmerztabletten
(z.B. Paracetamol oder Acetylsalicylsäure) reduzieren das
Schmerzempfinden. Beim Auftreten störender Bläschen oder
Pusteln können Sie ein vom Arzt empfohlenes Produkt auf die
betroffenen Areale auftragen.
Verhalten in der Sonne
In den ersten 24 Stunden nach der Behandlung sollten Sie direktes
Sonnenlicht meiden.
Bis die Haut komplett geheilt ist, können sich Farbveränderungen
(so genannte Hypo- bzw. Hyperpigmentierung) bilden.
Welche Vorsichtsmassnahmen können Sie treffen?
Die behandelten Areale sollten während den nächsten
3 Monaten keinem direkten Sonnenlicht ausgesetzt werden. Schützen
Sie sich mit entsprechender Kleidung und tragen Sie eine Kopfbedeckung
mit breiter Krempe. Sobald die behandelten Stellen nicht mehr nässen
oder wund aussehen, verwenden Sie regelmässig ein Sonnenschutzmittel
mit einem sehr hohen Lichtschutzfaktor. Idealerweise tragen Sie
dieses 30 Minuten bevor Sie ins Freie gehen auf.
Verwendung von Cremes, Salben und Hautreinigungsmitteln
Verwenden Sie in den ersten 24 Stunden für die behandelten
Hautareale keine Cremes oder Salben, ausser, der Arzt hat Ihnen
ein Präparat verordnet oder empfohlen. Sie können die
behandelten Hautpartien 24 Stunden nach der Belichtung wieder vorsichtig
waschen und rasieren.
Was empfehlen wir Ihnen zur Hautreinigung?
Bewährt haben sich dermatologisch getestete milde Waschsyndets
(z.B. Cetaphil® Reinigungslotion) für empfindliche und
geschädigte Haut. Der Vorteil von Cetaphil® ist, dass
die Haut auch ohne Wasser gereinigt werden kann. Die Reinigungslotion
wird in diesem Fall direkt mit den Fingern aufgetragen, etwas einmassiert
und mit Kosmetiktüchern abgenommen.
Da der ursächliche Sonnenschaden grundsätzlich bestehen bleibt, ist es möglich, dass zu einem späteren Zeitpunkt erneut Veränderungen entstehen können. (Konzepte der sogenannten "field cancerization", "Minenfeld in der Sanddüne") Dies kann durch entsprechende Sonnenschutz und Antiagingmassnahmen verhindert werden
(Prevenkit).
Die PDT kann auch im Sommer durchgeführt werden
Verschiedentlich wird die Meinung geäussert, die photodynamische
Therapie solle man nicht im Sommer durchführen.
Fakt ist, dass es prinzipiell keine Jahreszeit gibt, in der man
die PDT nicht durchführen kann oder könnte! Sowohl für
den Winter als auch für den Sommer gibt es jedoch ein paar
Dinge, die man beachten muss.
Was ist also bei der PDT im Sommer zu beachten?
Es gibt naturgemäss im Freien eine wesentlich stärkere
Sonneneinstrahlung als zu anderen Jahreszeiten; die Folgen:
- Es ist warm, zum Teil sehr warm und die Patienten könnten
in der Zeit der Inkubation unter der Okklusion stark schwitzen,
die Okklusion könnte sich lösen.
Lösung: Befestigung der Okklusion
mit Pflaster oder geeigneten Klebestreifen, die nassfest
sind. Ausserdem sollten die Patienten möglichst nicht
schwitzen: Also keinen Kaffee oder andere schweisstreibenden
Getränke, keine heftige Bewegung und -natürlich-
kein Aufenthalt in der prallen Sonne. Sie können zusätzlich
auch den Behandlungstermin in die frühen Morgenstunden
oder auf den späten Nachmittag festlegen.
- Bei nicht ganz dichter Okklusion könnte Sonnenlicht während
der Einwirkzeit auf die Läsion treffen.
Lösung: Okklusionsverband aus
Aluminiumfolie.
- In der Abheilphase reagiert das neue Gewebe besonders stark
auf UV-Strahlung und es könnte zu einer lange andauernden
oder vielleicht sogar permanenten Hyperpigmentierung (postinflammatorische
Hyperpigmentierung) kommen.
Lösung: Während die abheilenden
Wunden noch ganz frisch sind, sollte jede direkte Sonnenbestrahlung
absolut vermieden werden. Danach, am besten bis zu 4 Wochen,
muss bei Aufenthalt im Freien dauernd ein gutes Lichtschutzmittel
appliziert werden, welches zuverlässig gegen UV-B und
UV-A schützt.
Also zusammenfassend keine wirklicher Grund, die PDT nur auf die
kalte Jahreszeit zu verlegen.
Quick-Check 1: Kontraindikationen und besondere Vorschriften
Check |
Aktion |
Anamnese: Allergie auf Parabene? |
Metvix® nicht anwenden, stattdessen
5-ALA Nanokolloidgel verwenden |
Diagnose: Sklerodermiformes Basaliom? |
PDT nicht durchführen |
Anamnese: Porphyrie? |
PDT nicht durchführen |
Überwachung der Therapie |
Arzt oder geschultes
Personal (MPA) muss anwesend sein |
Patientin schwanger? |
PDT nicht anwenden |
Patientin stillt? |
Stillen für 48 Stunden untersagen |
Patient/in erhält UV oder
PUVA? |
UV oder PUVA absetzen |
Vorbereitung Photodynamische Therapie
Check |
Aktion |
Vorbereitung: Aktinische Keratose |
Schuppen und evtl. Krusten oberflächlich
entfernen |
Vorbereitung: Superfiz. Basalzellkarzinom |
Schuppen und evtl. Krusten oberflächlich
entfernen |
Vorbereitung: Noduläres
Basalzellkarzinom |
exponiertes Tumormaterial entfernen
z.Bsp. mit CO2-Laser |
Applikation von Metvix® bzw.
5-ALA |
mit Spatel, Tupfer oder Handschuh
ca. 1 mm dick und ca. 1 cm über die sichtbaren Ränder
der Läsion hinaus auftragen |
Okklusion |
vorbereitete, mit Metvix® bzw.
5-ALA versehene Läsion dicht verschliessen |
Lichtschutz, ggfs. Kälteschutz |
bei Kontakt mit Licht während
der Einwirkzeit: Okkludierte Läsion zusätzlich
mit Lichtschutz versehen (Alufolie), bei kalter Außentemperatur
zusätzlich Wärmeisolation anbringen |
Anweisungen an den Patienten |
verabredete Zeit einhalten! Okklusion
nicht entfernen!
Ggfs. Medikament zur Schmerzprophylaxe zur
verabredeten Zeit einnehmen:
- Paracetamol 1/2 Stunde vor Belichtung,
- Metamizol 1 Stunde vor Belichtung
- Tramadol 1 - 2 Stunden
vor Belichtung.
Anweisung für den Fall geben, dass der
verabredete Termin zur Bestrahlung nicht eingehalten werden
kann. |
Vorbereitende Analgesie
Check |
Aktion |
| In jedem Fall |
5 Minuten vor Beleuchtung Xylocaingel 2 %
applizieren, nimmt in der Regel die Spitze des Schmerzes recht
gut (vgl PDT
und Schmerz) |
Erwarteter Schmerz: leicht -
mittel |
keine spezifische Therapie oder
Paracetamol oder Metamizol erwägen. Ggfs. Medikament
an den Patienten aushändigen |
Erwarteter Schmerz: mittel -
stark |
Tramadol erwägen. Ggfs.
Medikament an den Patienten aushändigen. Evtl. Lokalanästhesie
erwägen |
Erwarteter Schmerz: stark - sehr
stark |
Dipidolor® erwägen |
Erwarteter Schmerz: extrem stark |
Konsil (Anästhesist) erwägen |
Beruhigung des Patienten angezeigt? |
Benzodiazepin erwägen |
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