1. Einführung
Bei der Photodynamischen Therapie (kurz: PDT) handelt
es sich um ein neuartiges Verfahren, mit dem man mit einem
speziellen Rotlicht bestimmte Hauttumoren schonend, kosmetisch
günstig und ohne Operation entfernen kann. Behandelt
werden können aktinische Keratosen (sogenannte „Lichtkrusten“, „Präkanzerosen“)
und oberflächliche Basaliome („superfizielle", „solide“ und
zum Teil „noduläre“ Typen) besonders auch
in ungünstigen Lokalisationen wie Nase, Ohr oder Kopfhaut.
Bisher angewandte Verfahren wie die Kryo-(Vereisung) oder
auch die Lasertherapie können mit Narbenbildung und
Pigmentstörung verbunden sein, sind also kosmetisch
nicht zufriedenstellend. Vor allem bei Läsionen im
Gesichtsbereich bedeutete das bisher für die Patienten
eine große Belastung.
Ein weiterer Vorteil der PDT stellt die hohe Selektivität
dar, so dass auch Tumorzellen in der Umgebung abgetötet
werden, die man mittels einer speziellen photodynamischen
Lichtdiagnostik (Woodlicht-Fluoreszenz) sichtbar machen
kann. Dies vermindert das Wiederauftreten („Rezidiv“)
des Tumors in wesentlichem Mass. Über 90% der PDT-behandelten
Hauttumoren bleiben in den Folgejahren rezidivfrei.
2. PDT – was steckt dahinter?
Unter Photodynamischer Therapie (PDT) versteht man die sauerstoffabhängige
Zerstörung von Tumorzellen der Haut, die nach einer
vorangegangenen Photosensibilisierung und Belichtung geeigneter
Wellenlänge eintritt. Dieser Vorgang erfolgt selektiv,
was bedeutet, dass im Rahmen einer Therapie bevorzugt Tumorzellen
und deren Vorstufen, nicht aber die normale Haut zerstört
werden. Durch das Auftragen von MAOP (Methyl-[5-amino-4-oxopentanoat)
als Creme kommt es im erkrankten Gewebe zu einer verstärkten
Bildung lichtempfindlicher Porphyrine, insbesondere des Protoporphyrin
9 (PP9). (Protoporphyrin 9 ist der eigentliche Lichtsensibilisator),
da nur krankhafte Zellen die im Körper natürlich
vorkommende Delta-Amino-Laevulinsäure übermäßig
aufnehmen. Aufgrund seiner besonderen Molekülstruktur
reichert sich MAOP hoch selektiv in den geschädigten
Zellen an.
Nach einer Einwirkzeit von drei Stunden wird die Belichtung
mit einem speziell entwickelten kalte Rotlicht der Wellenlänge
630 nm (Aktilite®) durchgeführt. Dies hat zur Folge,
dass die Porphyrin-Moleküle in einen Triplettzustand übergehen
und die aufgenommene Energie auf ‚normalen’ Triplettsauerstoff übertragen
wird. Durch diesen Energieübergang geraten die Sauerstoffmoleküle
ihrerseits in einen angeregten Zustand. Es entsteht Singulettsauerstoff,
der als Oxidationsmittel ein starkes Zellgift darstellt.
Die betroffenen Zellen gehen schließlich durch Nekrose
und/oder Apoptose (fokale Zelluntergänge) zugrunde. Durch
die lokale Wirkung dieser Freisetzung von Sauerstoffradikalen
bleibt eine weitergehende Schädigung von gesunden Zellen
und somit eine Narbenbildung aus. Die Überlegenheit
dieser innovativen Methode im Vergleich zu konventionellen,
invasiven Verfahren zeigt sich deutlich in den bisher durchgeführten
Studien.
Die Photodynamische Therapie mit Metvix ® oder 5-ALA
und Aktilite® kann
in einer spezialisierten dermatologischen Praxis problemlos
durchgeführt
werden. Voraussetzung ist eine umfassende Schulung über
Anwendung und Durchführung des Verfahrens.
3. Praktische Durchführung:
Für die PDT werden zwei Bestandteile benötigt,
die als System ineinandergreifen und aufeinander abgestimmt
sind:
a. Eine lichtsensibilisierende Creme (Metvix ® oder
5-ALA).
b. Eine kalte Rotlicht-Bestrahlung (Aktilite ®)
Bei klinischer Unsicherheit erfolgt eine Probebiopsie mittels
Shave-Laser-Technik, eine Woche später dann die erste
photodynamische Therapiesitzung wobei 3-5 Stunden in Abhängigkeit
der verwendeten Substanz die Crème zuerst ca. 0,5-1mm
dick aufgetragen wird. Anschliessend wird ein komplettlichtundurchlässiger
Verband (Alufolie) appliziert. Dieser Verband kann sehr grotesk
aussehen, bitte nehmen Sie deshalb entsprechende Kopfbedeckungen
oder Schals zur Behandlungssitzung mit. Die Patienten dürfen
während diesen 3-5 Stunden die Praxis verlassen oder
aber auch bei uns warten. 1 Stunde vor der Durchführung
der Bestrahlung nimmt der Patient ein Schmerzmittel (Paracetamol/Dafalgan® 1g)
zu sich. Nach Ablauf der 3 h Wartefrist kommen die Patienten
erneut in die Sprechstunde und werden dann mittels der Dioden-Rotlichlampe
belichtet. Bei dieser Lampe handelt es sich nicht um ein
Strahlungsgerät im Sinne eines Lasergerätes oder
einer Röntgenmaschine sondern das Gerät produziert
ein schmalbandiges Rotlicht im Bereiche von ca. 630 nm. Anschliessend
an die Belichtung erfolgt die oberflächliche Applikation
von Flammazine oder Ialugen Creme. Diese Crèmes sollten
anfänglich 3-4 Mal pro Tag für 2 – 3 Tage
dick aufgetragen werden. Zusätzlich können noch
kühlende Verbände appliziert werden. Es werden
zwei Belichtungssitzungen im Abstand von einer Woche durchgeführt,
somit erfolgt ein analoges Vorgehen 1 Woche bis 10 Tage später.
Damit ist die Verbesserung der Resultate im Rahmen der Behandlung
von aktinischen Keratosen auf bis zu 94% gemäss den
grossen Studien gesichert.
4. Selbstlimitierung durch "Photobleaching"
Die während der 3-stündigen Inkubation mit Metvix® oder 5-ALA in der Haut gebildeten photoaktiven Porphyrine, die den eigentlichen therapeutischen Photosensibilisator für die PDT darstellen, werden während des physiko-chemischen photodynamischen Vorgangs nicht verbraucht. Sie nehmen die Energie aus dem Licht auf, gehen dabei in einen angeregten Zustand über, übertragen ihre Energie.auf den zellulären Sauerstoff der dann seinerseits in den angeregten Zustand wechselt und dabei in das starke Zellgift Singulettsauerstoff verwandelt wird. Danach fallen die Porphyrinmoleküle wieder in ihren energetischen Ausgangszustand zurück und der Vorgang kann sich wiederholen (Katalysatoreffekt). Der Gesamtvorgang von der Energieaufnahme durch die Porphyrine bis zur Entstehung von Singulettsauerstoff und bis zum „Zurückfallen" der Porphyrine in den Normalzustand geht außerordentlich schnell vonstatten, er dauert nur ca. 10 E-9 s (Eine Milliardstel Sekunde). Während einer etwa 10-minütigen PDT-Belichtung läuft dieser Prozess in den Zellen also etwa 10 x 60 x 10 E9 mal, also etwa 600 Milliarden Mal ab!
Da die Porphyrine dabei wie gesagt nicht verbraucht werden, könnte dieser Vorgang theoretisch sehr lange fortgesetzt werden, zumindest so lange, bis die überschüssigen Porphyrine verstoffwechselt sind.
In der Praxis kommt es aber neben dem bisher beschriebenen photodynamischen Prozess zu zwei weiteren Prozessen, die mit der erwünschten photodynamischen Wirkung konkurrieren.
(1) Der gebildete Singulettsauerstoff entfaltet seine zerstörende Wirkung einerseits dadurch, dass er seine Energie auf Zellstrukturen überträgt und diese dadurch zerstört, andererseits aber auch dadurch, dass er sich mit Strukturmolekülen verbindet und diese dabei durch Oxidation zerstört („verbrennt")- Durch letzteren Vorgang wird zellulärer Sauerstoff verbraucht; er steht dann nicht mehr für die photodynamische Reaktion zur Verfügung. Man kann also feststellen, dass im Sinne eines negativen Feedbacks, dadurch dass die photodynamische Reaktion abläuft, diese gleichzeitig gehemmt wird.
(2) Der gebildete Singulettsauerstoff zerstört ja gerade die Zellen, in denen sich während der Inkubation durch die hohe Selektivität von Metvix® bzw. 5-ALA besonders viel photoaktives Porphyrin gebildet hat. Damit zerstört er aber auch die in ihnen enthaltenen Porphyrinmoleküle.
Die Prozesse (1) und (2) zusammen sorgen also dafür, dass während der PDT die biologische Aktivität der Porphyrine zurückgeht. Dieser Vorgang wird als „Photobleaching" bezeichnet. Das Photobleaching ist aber keineswegs ein Nachteil, sondern ein Vorteil: Die PDT-Reaktion ist dadurch selbstlimitierend. Es ist also kaum möglich, wenn zum Beispiel irrtümlich viel zu lange belichtet werden würde, schwere Gewebezerstörungen auszulösen, und außerdem ist es relativ unwahrscheinlich, dass ein Patient nach erfolgter PDT noch lange und stark photosensibilisiert ist.
5. Weitere Indikationen
Als weitere Indikationen für die photodynamische Therapie
können im Weiteren flache Warzen sowie die Altershaut
(Anti-aging-Behandlung) gelten. Diese Indikationen welche
gute Resultate zeigen, sind noch nicht zugelassen und somit
klare off-label use Behandlungen und bedürfen
der intensiven Diskussion mit dem behandelnden Arzt.
6. Nebenwirkungen
Wie bei jeder medizinischen Therapie können Nebenwirkungen
auftreten. Während der Bestrahlung sowie an den Folgetagen
können ein schmerzendes Gefühl, Rötung, Wundschorf
oder eine leichte Schwellung auftreten. Bei Schorfbildung
kommt es nach einigen Tagen zu einer krustigen Ablösung.
Diese gehen in der Regel ohne spezifische Behandlung rasch
zurück. Eine lokale Kühlung kann nützlich
sein. Nur ausnahmsweise kann es auch zu Überreaktionen,
Wundinfektionen oder verbrennungsartigen Veränderungen
mit Pigmentierung oder Narbenbildung kommen. Vor, während
und nach der Behandlung sollten Sie keine hautreizenden Cremes
und Kosmetika verwenden, sowie künstliche und natürliche
Sonnenbestrahlung vermeiden. Die behandelte Haut ist nach
der Rotlicht-Bestrahlung für ca. 24 Stunden erhöht
lichtempfindlich. Vereinzelt wurden auch schon Fieberschübe
und Übelkeit beschrieben.
6. Kosten
Die Kosten der Behandlung sind hoch (2 g Metvix kosten 452.—sFrs.)
und richten sich nach Größe und Ausdehnung der
zu behandelnden Flächen (Menge der zu gebrauchenden
Crème). Sie werden in einem beratenden Gespräch
erläutert, sind aber im Falle von AK und BCC voll kassenpflichtig
(ausgenomen Selbstbehalt).
Die Behandlung von Altershaut ist nicht kassenpflichtig,
einen entsprechenden Kostenvoranschlag erhalten sie von ihrem
behandelnden Arzt. Hier wird aber inder Regel mit dem viel
günstigeren 5-ALA Nonokolloidgel behandelt.
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